Während in Deutschland der graue Schneematsch die Straßen beherrscht, herrscht auf der größten der Kanarischen Inseln ein völlig anderes Bild. Teneriffa im Januar ist kein klassischer Winterurlaub – es ist eine Flucht in eine Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint und die Natur zu neuem Leben erwacht.
In diesem Guide erfährst du, warum der Januar die vielleicht unterschätzteste Reisezeit für die „Insel des ewigen Frühlings“ ist.
🌤️ Das Wetter: Ein Spiel aus Licht und Schatten
Eines vorweg: Das Wetter im Januar auf Teneriffa ist legendär, aber man muss wissen, wo man sich aufhält. Die Insel wird durch das Zentralgebirge und den mächtigen Teide in zwei Klimazonen geteilt.
Der sonnige Süden 🏖️
- Temperaturen: Tagsüber oft zwischen 20°C und 24°C. In der Sonne fühlt es sich deutlich wärmer an.
- Vibe: Perfekt für Strandtage, kurze Hosen und Abendessen im Freien.
- Besonderheit: Hier regnet es im Januar so gut wie nie.
Der saftig grüne Norden 🌿
- Temperaturen: Etwas kühler, meist um die 18°C bis 20°C.
- Vibe: Mystisch, neblig in den Bergen und perfekt für Aktivurlauber.
- Besonderheit: Die Natur ist nach den ersten Herbstregen förmlich explodiert – alles leuchtet in sattem Grün.
Tipp: Das Zwiebelprinzip ist dein bester Freund! Während du mittags in Los Cristianos schwitzt, brauchst du abends in La Laguna einen dicken Pulli.
Das rosarote Wunder: Die Mandelblüte (Almendros en Flor)
Die Region rund um das Bergdorf Santiago del Teide im Nordwesten verwandelt sich ab Mitte Januar in ein Meer aus weiß-rosa Blüten. Das Besondere an dieser Aktivität ist der krasse visuelle Kontrast, den du so schnell nirgendwo anders findest:

Der „Biologische Vorsprung“ der Kanaren
Auf dem europäischen Festland (z. B. in Deutschland) blühen Mandelbäume meist erst im März oder April. Da Teneriffa aber geografisch auf der Höhe der Sahara liegt, gibt es dort keinen „echten“ frostigen Winter. Die Bäume brauchen keine lange Ruhephase, um sich vor extremer Kälte zu schützen. Sobald die Tage nach der Wintersonnenwende (21. Dezember) wieder minimal länger werden, erhalten die Bäume das Signal zum Austreiben.
- Die Farben: Die zarten, hellen Blüten stehen im direkten Kontrast zum tiefschwarzen, schroffen Vulkangestein der Lavafelder des Chinyero (der letzte Vulkan, der 1909 auf Teneriffa ausbrach). 🌋
- Die Route: Die klassische Wanderung führt von Santiago del Teide nach Arguayo. Sie ist mittelschwer und bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den majestätischen, oft schneebedeckten Teide im Hintergrund.
- Der Vibe: Es herrscht eine fast schon frühlingshafte Aufbruchstimmung. In den lokalen Cafés in Santiago del Teide kannst du nach der Tour typische Mandelspezialitäten probieren, die direkt aus der Region stammen. ☕️
- Fotospots: Wenn du zur richtigen Zeit (meist Ende Januar) dort bist, hast du das perfekte Motiv: Rosa Blüten im Vordergrund, schwarze Lava dazwischen und der weiße Gipfel des Teide unter stahlblauem Himmel.
Pro-Tipp: Da dieses Naturschauspiel auch bei den Einheimischen sehr beliebt ist, solltest du diese Wanderung nach Möglichkeit unter der Woche einplanen. Am Wochenende kann es auf den Wanderwegen rund um die Mandelbäume recht voll werden.
⛰️ Highlights & Aktivitäten im Januar
Der Januar ist die ideale Zeit, um die Insel ohne die drückende Hitze des Sommers zu erkunden.
1. Der Teide Nationalpark: Schnee am Äquator? ❄️
Es ist das größte Paradoxon Teneriffas: Du kannst morgens im Meer baden und mittags im Schnee am Fuße des Teide stehen.
- Die Auffahrt: Die Straßen führen durch Pinienwälder über die Wolkengrenze.
- Die Kraterlandschaft: Im Januar ist das Licht besonders klar, was die Farben des Vulkangesteins (Ocker, Schwarz, Rot) intensiv leuchten lässt.
- Wandern: Die Temperaturen in der Höhe (2.000m) sind ideal für anspruchsvolle Touren, solange kein Sturm weht.

2. Whale Watching: Den Giganten ganz nah 🐋
Teneriffa ist einer der weltweit besten Orte, um Wale und Delfine in freier Wildbahn zu erleben – und der Januar bietet dafür perfekte Bedingungen.
- Die Bewohner: In der Meerenge zwischen Teneriffa und La Gomera leben Grindwale (Pilotwale) und Große Tümmler das ganze Jahr über sesshaft.
- Winter-Gäste: Im Januar ziehen zudem oft wandernde Arten wie Finnwale oder sogar Orcas durch die nährstoffreichen Gewässer. 🌊
- Das Erlebnis: Bei den milden Temperaturen und dem meist ruhigen Atlantik im Südwesten ist eine Bootstour von Los Gigantes oder Costa Adeje aus besonders angenehm.
- Respektvolle Begegnung: Achte auf Anbieter mit der „Blue Boat“-Zertifizierung (Barco Azul), die garantieren, dass die Tiere nicht bedrängt werden. Es ist ein tief bewegender Moment, wenn man nur das Schnaufen der Wale hört, während im Hintergrund der schneebedeckte Teide aufragt. 🚤
3. Surfen und Wellenreiten 🏄♂️
Der Januar ist „Prime Time“ für Surfer. Der Nordatlantik schickt kräftige Swells an die Küsten.
- Anfänger: Finden im Süden (Playa de las Américas) geschützte Buchten.
- Profis: Wagen sich an die Riffe von Bajamar oder Almaciga im Norden.
🥙 Kulinarik: Winter-Soulfood auf Kanarisch
Essen auf Teneriffa ist im Januar besonders gemütlich. Wenn die Abende etwas frischer werden, schmecken die lokalen Spezialitäten am besten.
- Potaje de Berros: Ein kräftiger Eintopf aus Brunnenkresse, der von innen wärmt.
- Papas Arrugadas con Mojo: Die klassischen Runzelkartoffeln dürfen nie fehlen.
- Gofio: Das geröstete Getreidemehl der Ureinwohner wird oft in Suppen eingerührt oder als Dessert verarbeitet.
- Vino tinto: Ein Glas Rotwein aus den Anbaugebieten von Tacoronte-Acentejo passt perfekt zur kühleren Nordluft.
📅 Events, die man nicht verpassen darf
Der Januar auf Teneriffa ist geprägt von Traditionen, die weit über das übliche Touristenprogramm hinausgehen.

Los Reyes Magos (Die Heiligen Drei Könige) 👑
Der 6. Januar ist für die Canarios wichtiger als Weihnachten.
- Paraden: Am Abend des 5. Januars finden in fast allen Städten (besonders groß in Santa Cruz) riesige Umzüge statt.
- Tradition: Die Könige kommen oft spektakulär per Hubschrauber oder Schiff an und verteilen Unmengen an Süßigkeiten.
San Sebastián in La Enramada 🐎
Mitte Januar findet in La Caleta ein beeindruckendes Spektakel statt, bei dem Reiter mit ihren Pferden ins Meer reiten, um die Tiere segnen zu lassen. Ein archaischer und wunderschöner Anblick!
🎒 Packliste für deinen Januar-Trip
Damit du für alle Eventualitäten gerüstet bist, sollte folgendes in den Koffer:
- Badesachen: Das Meer hat noch ca. 18-19 Grad – für Nordeuropäer absolut machbar!
- Wanderschuhe: Für die Pfade im Anaga-Gebirge oder Masca.
- Warme Jacke/Fleece: Unverzichtbar für Abende und Ausflüge auf den Teide.
- Regenjacke: Besonders wenn du im Norden wohnst.
- Sonnencreme: Die UV-Strahlung ist auch im Januar stark, unterschätze die Wintersonne nicht!
🏨 Wohnen im Januar: Wo schläft es sich am besten?
Die Wahl des richtigen Hotels entscheidet im Januar maßgeblich über dein Urlaubserlebnis. Da die Sonne früher untergeht und die Temperaturen am Abend sinken, ist dein „Zuhause auf Zeit“ wichtiger als im Hochsommer.

- Süden (Costa Adeje, Los Cristianos): Hier findest du die großen Resorts mit beheizten Pool-Landschaften. Im Januar ist ein klimatisierter Pool ein absoluter Gamechanger, da unbeheizte Becken oft recht frisch sein können. Viele Hotels bieten zudem weitläufige Spa-Bereiche, die perfekt sind, falls doch mal ein seltener Regenschauer vorbeizieht.
- Norden (Puerto de la Cruz): Wer es authentischer mag, wählt eines der traditionsreichen Hotels oder Boutique-Häuser in Puerto de la Cruz. Hier ist die Vegetation in den Hotelgärten im Januar besonders prachtvoll. Achte darauf, ein Zimmer mit Heizmöglichkeit oder Klimaanlage (mit Wärmefunktion) zu buchen, da die historische Bausubstanz im Norden die Winterkühle manchmal speichert.
- Das Hinterland (Vilaflor, La Orotava): Für Individualisten bieten sich Casas Rurales (traditionelle Landhäuser) an. Viele dieser Unterkünfte verfügen über einen Kamin – es gibt kaum etwas Gemütlicheres, als nach einer Wanderung am Teide den Abend bei einem Glas lokalen Rotwein vor dem prasselnden Feuer zu verbringen. 🍷🔥
📍 Warum gerade Januar? Ein Fazit
Teneriffa im Januar ist eine Wohltat für die Seele. Die Insel ist weniger überlaufen als in den Osterferien, die Natur ist durch die Winterfeuchtigkeit so lebendig wie zu keiner anderen Zeit, und die milde Luft wirkt wie eine Therapie gegen den Winterblues.
Ob du nun die Stille der Lorbeerwälder im Anaga-Gebirge suchst, die Wellen bezwingen willst oder einfach nur bei einem Cortado im Hafenbecken die Sonne genießen möchtest – Teneriffa liefert.
Bist du bereit, den Winter gegen den ewigen Frühling einzutauschen? ✈️🌋
Ein kleiner Geheimtipp zum Schluss:
Besuche die historische Stadt San Cristóbal de La Laguna (UNESCO Welterbe) an einem Januarnachmittag. Wenn sich der Nebel in die Gassen senkt und die bunten Kolonialhäuser beleuchtet werden, fühlt es sich an wie eine Zeitreise.

❓ FAQ: Häufige Fragen zu Teneriffa im Januar
1. Kann man im Januar im Meer baden?
Ja, aber es ist erfrischend! Die Wassertemperatur liegt bei etwa 18°C bis 20°C. Für ein kurzes Bad ist es für viele völlig okay, für langes Schnorcheln empfiehlt sich ein dünner Neoprenanzug.
2. Wo ist es im Januar am wärmsten?
Definitiv im Südwesten (Costa Adeje, Playa de las Américas, Los Gigantes). Diese Region ist durch die Berge vor den kühleren Passatwinden aus dem Norden geschützt.
3. Brauche ich eine Winterjacke?
Für die Küste reicht eine leichte Jacke oder ein dicker Pulli für die Abende. Wenn du jedoch den Teide Nationalpark besuchst, ist eine echte Winterjacke (oder eine gute Outdoor-Schale) Pflicht, da die Temperaturen dort oben um den Gefrierpunkt liegen können. ❄️
4. Regnet es im Januar viel?
Im Süden fast nie (ca. 2-3 Regentage). Im Norden kann es öfter mal kurze, kräftige Schauer geben, die die Insel so herrlich grün machen. Meist scheint aber schnell wieder die Sonne.
5. Sind die Pools in den Hotels beheizt?
Nicht alle! Wenn dir das Schwimmen wichtig ist, achte bei der Buchung explizit auf das Attribut „klimatisierter Pool“ oder „beheizter Pool“. Der Atlantik kann im Januar wärmer sein als ein unbeheizter Pool.
6. Was ist das Phänomen „Calima“?
Das kann auch im Januar auftreten. Es ist ein heißer Ostwind aus der Sahara, der feinen Sandstaub mitbringt. Die Sicht wird trüb und die Temperaturen steigen sprunghaft an. Es dauert meist nur 2–3 Tage. 🏜️
7. Ist im Januar Nebensaison?
Jein. Es gibt keine Schulferien (außer Anfang Januar), aber Teneriffa ist ein beliebtes Ziel für „Überwinterer“ und Aktivurlauber. Es ist belebt, aber deutlich entspannter als im Hochsommer oder zu Ostern.
8. Welche Kleidung soll ich einpacken?
- Tagsüber: T-Shirt und kurze Hose.
- Abends: Lange Hose und Strickjacke.
- Wandern: Windstopper und feste Schuhe.
9. Lohnt sich ein Mietwagen?
Absolut! Im Januar ist die Sicht klar und die Straßen sind weniger verstopft. Nur mit einem Auto kommst du unkompliziert zu den entlegenen Wanderwegen im Anaga-Gebirge oder zur Mandelblüte.
10. Haben die Restaurants und Attraktionen normal offen?
Ja, im Gegensatz zu vielen Mittelmeer-Zielen hat Teneriffa das ganze Jahr über Saison. Alles ist geöffnet, von den Wasserparks (Siam Park) bis zu den abgelegenen Guachinchen (lokale Weinlokale). 🍷
